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Samstag, 22. Oktober 2011

Von Streifenhoernchen und Bangalore

Kennst du das Gefuehl angekommen zu sein?
Ich stehe im Halbdunkeln auf dem Dach vor meinem Zimmer und sinniere ueber den Tag. In meiner Hand glimmt eine Bidi, ein gerolltes Tabakblatt. Mein Blick schweift ueber L.R.Nagar. Mein Viertel. Er schweift ueber das pinke Haus, die Wellblechdaecher, die Moschee, das in puffrot leuchtende Kreuz der Kirche.
Meine Gedanken schweifen ab.
Daemmerung in Banglore...
Sieben Uhr. Mein Handy klingelt. Der Wecker. Zum Glueck gibt es den Snoozebutton. In einer halben Stunde gibt es unten Kaffee. So nennt man hier heisse Milch halbvoll mit Zucker.
Ein paar Stunden spaeter sitze ich in einem Bus. Seine besten Jahre scheint er in den 50zigern gehabt zu haben.
Oh verdammt. Ich bin schon in der Innenstadt. Auf der M.G. Road. Der Mahatma Gandhi Road.
Ich draengel mich durch die Menge und springe aus dem Bus. Mein Glueck, auf der Kreuzung staut es sich. Der Bus muss bremsen. Das machts einfacher...
Am Strassenrand stehen faszinierende Baeume. Ihre Staemme sind so breit, wie ein Smart lang. Wenn nicht breiter. Ich bleibe stehen. Ein Streifenhoernchen sitzt af einem Ast ueber mir. Es blickt mich neugierig an.
An die neugierigen Blicke hb ich mich mittlerweile gewoehnt. Doch dem Streifenhoernchen scheint meine Hautfarbe relativ egal. Auf dem Ast gegenueber fledert ein Rabe gerade genuesslich an einem Artgenossen rum. Er laesst ihn fallen. Die Galle schmeckt anscheinend nicht. Gut zu wissen.
Ein leises tuckern naehert sich mir von hinten.
"Sir,Sir!" Ich weiss was folgt. Nein, ich habe keine Lust auf eine Autorickshawtour zu allen ueberteuerten Touristenshops Bangalores.
Der Rabe fliegt aufgeschreckt davon. Leider ist mir das nicht moeglich.
Nach geraumer Zeit des Ignorierens scheint mein Gegenueber zu verstehen, dass ich ihm weder "Wooh!" noch "Lets goo!" sondern "Noo!" geantwortet habe.
Ist das jetzt Schleichwerbung, wenn ich anmerke, dass ich GoogleMaps und moblies Internet liebe...halt ich hab eine Idee.
Lieber Leser, die folgenden Zeilen koennen Werbeinhalte enthalten und werden ihnen presentiert von Google Inc. und dem indischen Mobilfunkanbieter Idea!: "Ich liebe GoogleMaps und mobiles Internet!"
Ein sehr amerikanisches Cafe ist schnell gefunden. Ich nippe an meinem Eiskaffee und blicke auf den Ulsoor Lake.
...Nacht in L.R.Nagar
Mein Trip durch Bangalore war durchaus ergiebig;
-ein Brief bis 20 gr nach Europa kostet 25 Rupees ( knapp 40 Cent)
-in der Naehe der Commercialstreet ist eine Montessori-Schule, die es lohnt genauer unter die Lupe zu nehmen
-Galle schmeckt nicht
-eine neue Dieseljeans kostet hier 600 Rupees (ca. 9,38 Euro)
Zurueck Zuhause. Wir haben Besuch Govinda vom Icde India. Der Organisation die sich hier um die Freiwilligen kuemmert. Er hilft ein paar kommunikationsschwierigkeiten zu ueberbruecken und erklaert meiner Gastfamilie, den europaeischen Lifestyle, die deutsche Mentalitaet. Auf Tamil. Schade. Dabei haette ich so gerne gewusst, wie Deutsche denn so sind... Er fragt mich, wie es mir hier so geht. Mit dem Projekt. Mit der Gastfamilie. Mit Indien.
Ich stehe auf dem Dach, Es faengt leicht an zu nieseln. ich atme tief ein.

Es geht mir gut. Ich bin in Indien. Ich bin angekommen.


(Auch hier handelt es sich um einen aelteren nachgereichten Artikel den ich euch nicht vorenthalten wollte.
Und noch was. Bidis, also gerollte Tabakblaetter sehen zwar stilecht aus, ist einem aber seine Gesundheit lieb, sollte man es bei einer belassen.)



Donnerstag, 29. September 2011

Gestrandet in Bangalore

Auf seinen Lippen liegt ein leichtes Laecheln.
Seine Augen heissen mich Willkommen. Es ist diese Art von Augen die von Weisheit, Freundschaft und Liebe sprechen.
Die Griechin will hier kurz Wasser holen...


"I belong to the water" erklaert er, "thats why I have to connect with water everyday".
Weder sein fortgeschrittenes Alter, seine wenigen, langen, weissen Haare, dessen Ausrichtung an ein missgluecktes Experiment mit Starkstrom erinnern, noch seine enge knallige Badeshort oder seine dottergelbe Badekappe gespiekt mit zwei knallroten Herzen lassen seine Austrahlung verblassen.
Ich stehe am Rand eines von Palmen umgebenen Pool. Gerade die 44zigste Bahn beendet. Fertig.
Ich bin allein, bis mir ein zufriedens Laecheln auffaellt. Der Besitzer ist ein Herr mit weissen Haaren.
Er kommt mir entgegen. Er ist viel rumgekommen. England, Deutschland, Suedamerika,
Nun liegt sein Schiff vor Anker.
"Your heart and your mind have to be in balance."
Es faellt schwer ihm zu folgen. Wie kommt er jetzt darauf?!
Doch ich entschliese mich zu zuhoeren.
Nach der Geburt nehmen wir vom Bauchnabel aus wahr. Das Ich ist nicht greifbar. Langsam beginnen wir mit dem Verstand zu begreifen, zu analysieren. Die Welt besteht aus Fakten.
In der Jugend geben wir uns der Sexualitaet hin. Nach ein paar Jahren beginnt der Verstand zu streben. Zu streben nach Geld, Macht und Besitz..."and you will die in fear"
...da sie keinen Wasserfall zur Hand hat
E = mc2. Alles ist relativ. Du, Ich, der Baum.
"Because love is eternal. Listen to your heart."
So abrupt, wie das Gepraech begann, endet es. Er steigt in den Pool und widmet sich vertieft seinem Element.
Am Ausgang umarmt mich der junge Securityman. "We are friends now."
Verdutzt geh ich los.
Der Heimweg fuehrt mich vorbei an bluehenden Beeten, Wellblechhuetten, dem modernen Taxoffice. Der lauwarme Wind blaest durch die Gassen. Ein bunter Plakatschnipsel schlittert vor mir ueber den Weg.
Zwei Worte sind noch zu entziffern.
"Welcome you"